Ralf, Toskana 1992



Das erste Bandfoto



Erich 1993



Thomas 1993



Hong Ky 1993



Das erste Plakat



Strassenfest 1993
















Taschakor - Das Geburts-Jahr

Es war ein ziemlicher Katertag, dieser zweite Samstag im September 1992, an dem wie üblich das traditionelle Dorffest im Friedensdorf Oberhausen stattfand.
Ich hatte mächtig verschlafen, die Keramiken liefen nicht besonders gut an diesem Tag und der Stand war überbesetzt - trotzdem trieb ich mich entgegen meiner Gewohnheit nicht herum, sondern blieb bis auf eine kurze Mittagspause immer am Stand. Jeder der auf den Dorfplatz wollte mußte hier vorbei, und so war doch immer wieder für Abwechslung gesorgt. Am späten Nachmittag kam dann Erich vorbei, den ich in den letzten Jahren eigentlich nur auf dem Dorffest getroffen hatte. Das war früher anders, als er noch im Dorf arbeitete und wir zusammen in der AFO-Band gespielt hatten, seit dem Ende der Band hatten wir aber kaum noch Kontakt miteinander. Vor ein paar Monaten waren wir uns noch öfter begegnet, weil er zusammen mit Hung, Tam und ein paar anderen in einer Band in der Turnhalle geprobt hatte, aber irgendwann hatten sie einen neuen Proberaum und wir hatten uns seitdem nicht mehr gesehen. Die erste Frage als wir uns jetzt trafen war wie üblich "Was machst du gerade musikalisch?" und wir waren beide erstaunt, daß wir zur Zeit in dem Bereich gar nichts im Ofen hatten. Erichs Band gab es nicht mehr, ich hatte nach AFO noch weiter bei Amarillo gespielt, nach dem Abi dann noch ein paar Monate als Gitarrist mit Hansi, Uwe und Long in einer Combo namens Sullivan womit wir allerdings nie auf die Bühne gegangen sind, vorher ein kurzes Gastspiel bei Mölleplan (heute Harte Männer tanzen nicht), später dann noch einige Monate in Gelsenkirchen mit dem Hartmann-Gitarristen bei einer Hardrockband namens Horrizon, und seitdem hatte ich mich mehr dem Aufnehmen im stillen Kämmerlein gewidmet, mit Vierspur Technik und Drumcomputer. Das hatte ich seit etwa einem Jahr gemacht und einige brauchbare Songs waren schon dabei. Einige davon hatte ich zwischenzeitlich mit Hansi und dem Amarillo-Bassisten Axel eingespielt, aber das ganze lief eher sessionmäßig ab und war nach kurzer Zeit wieder verebbt.

Erich und ich quatschten ein bißchen über Musik, waren uns einig, daß die meisten Leute viel zu lange im Proberaum ihr Süppchen vor sich hinkochten, und nachdem ich ihm von meinen Tapes erzählt hatte verabredeten wir uns für "in einer Woche" um die Dinger mal durchzuhören und vielleicht mal wieder etwas zusammen zu machen.

Gesagt - getan, eine Woche später saßen Erich und ich bei mir zu Hause beim Weizenbier und hörten Demos. Only a dream, Forgotten Colors, November Days, Sunsets, usw. Viele der Songs waren im Sommer in der Toskana entstanden. Erich war angetan von den Songs, er erzählte, daß er gerne weiter mit Hung Musik machen würde, und eine weitere Woche später waren wir zu dritt in der Turnhalle des Dorfes und spielten die Songs durch. Das war doch was. Wir waren alle der Meinung, daß da was draus werden kann.
Nach ein paar Wochen hatten wir allerdings das Gefühl, daß wir ein wenig Verstärkung im Gitarrenbereich gebrauchen könnten, und da wir alle noch recht jung auf unserem Instrument waren und keine Lust auf Perfektionisten hatten, beschlossen wir jemanden zu suchen, dem es ähnlich ging und der in erster Linie menschlich zu uns paßte.

Auf der nächsten Party traf ich den Volker Mölleken, der gerade erst angefangen hatte Gitarre zu spielen, allerdings schon länger mit der Harp beschäftigt war. Ich fragte ihn ob er nicht Lust hätte mitzumachen und nach einer Woche darüber nachdenken sagte er zu.
Das war ein bißchen so wie damals bei Din A 3, meiner allersersten Band, als wir auch jeden fragten ob er mitmachen wollte, unabhängig davon ob er schon mal ein Instrument in der Hand hatte oder nicht.
Wir probten also ein paar Mal mit Volker und es klappte auch eigentlich ganz gut, bis Volker irgendwann jemanden mit zur Probe brachte, den wir alle nicht kannten, und uns erzählte er würde lieber nur noch Harp spielen, und dieser junge Mann hätte das gleiche Problem wie wir, von wegen dem Perfektionismus und so, und er könne ja vielleicht die Gitarre übernehmen.

Ganz wohl war uns bei dem Gedanken nicht. Wir wußten ja überhaupt nicht wer der Typ war. Wir spielten ihm unsere Songs vor und er sagte er fände sie gut und könnte sich vorstellen dabei mitzumachen. Er spielte bei ein paar Sachen mit, Gitarrespielen konnte er. Nach der Probe verblieben wir so, daß wir es versuchen würden. Erich, Hung und ich quatschten noch einige Zeit darüber und beschlossen die Sache zu beobachten.
In den nächsten Wochen waren wir also zu fünft, und unsere anfänglichen Bedenken verflogen schnell. Thomas paßte wirklich gut zu uns und war sozusagen ein Glücksgriff. Er war etwas älter als ich, studierte Sozialarbeit, und spielte noch in einer anderen Band, in der er sich aber ziemlich unwohl fühlte. Wir hatten also einen neuen Gitarristen und Volker spielte nur noch Harp.

Anfang Januar flog Hung dann für knapp drei Monate nach Vietnam und sah zum ersten Mal nach ich-weiß-nicht-wievielen Jahren sein Heimatland wieder. Die drei Monate ohne ihn verbrachten wir damit zu viert bei mir zu Hause zu proben, denn wir wolten ihn am Tag seiner Rückkehr mit einem kurzen Auftritt im Folk-Club im Cafe Blickpunkt begrüßen. In dieser Zeit wir nahmen im Bunker in Sterkrade in dem Proberaum von Lorles Zweitband ein paar Songs auf Vierspur auf (Only a dream, Soweto, All these people), und befanden, daß wir bei unserem ersten Auftritt einen Namen für das Kind bräuchten.

An einem Abend im Januar 1993 saßen wir also in meiner Wohnung mit Wörterbüchern, Bier und Unmengen an Zetteln und berieten nach alter Indianerart einen Namen. Deutsch sollte er nicht sein, wir hatten ja nur englische Texte, englisch sollte er auch nicht sein, das machte ja jeder, vietnamesisch war vielleicht doch zu kompliziert, und für einen Phantasienamen fehlte uns offensichtlich die Phantasie. Also doch englisch oder deutsch, die Wörterbücher wieder raus und weitergesucht. Das ging eine ganze Weile so, zwischenzeitlich unterhielt Volker uns mit einem seiner genialen "Zutaten-Blues", er spielte dabei Gitarre und sang die Zutatenliste zum Beispiel einer Tüte Chips vor, was jedesmal ein Megalacher war, aber ein Name wollte einfach nicht zu finden sein.

Irgendwann kam Erich, glaube ich, auf die Idee einen afghanischen Namen zu nehmen, viele unserer Songs handelten von den afghanischen Kids im Dorf, angefangen von November Days bis hin zu Chodor fest, Atiqullah, das ich gerade erst geschrieben hatte, und so war es ja nicht ganz unpassend. Ich rief also im Dorf an, Judith hatte Spätdienst, erklärte ihr den Sachverhalt, und bat sie darum die Kinder nach irgendwelchen afghanischen Wörtern zu fragen. Am Anfang gaben wir deutsche Wörter vor und die Kids übersetzten, später begannen sie einen tierischen Spaß daran zu haben, es werden so um die fünfzehn Kinder in dem kleinen Büro gesessen haben, und riefen einfach irgendwelche Wörter durcheinander, die Judith dann aufschrieb und mir am Telefon mitteilte. Bei Taschakor machte es dann Klick bei uns. Das war es, das klang gut. Unglücklicherweise hatte ich vergessen die Übersetzung aufzuschreiben, also noch mal anrufen und nachfragen. Danke. Das war die Übersetztung. Bißchen seltsamer Name für eine Band, aber auch wieder passend. Schließlich hatten wir den Kids den Namen zu ver-"danke"-n.

Am siebzehnten Februar 1993 war es dann so weit. Unser erster Auftritt. Übrigens im Rahmen des zweiten Folkclubs, der damals noch im Cafe Blickpunkt in Sterkrade stattfand (Die Kneipe war mir ein Begriff, als sie noch Eule hieß, hatte ich hier einige Male mit Amarillo gespielt). Erich holte Hung vom Flughafen ab und brachte ihn nach Sterkrade. Dort spielten wir dann drei Songs, ich weiß gar nicht mehr welche und überstanden unsere Feuertaufe unter großem Applaus. Am gleichen Abend noch hatten wir dann keinen Schlagzeuger mehr, denn Hung hatte beschlossen ganz zurück nach Vietnam zu gehen, er wollte nur noch ein paar Monate in Deutschland arbeiten und sich dann in Vietnam mit seiner dort lebenden Familie eine neue Existenz aufzubauen. So kann's gehen....

In den Wochen danach formierte sich dann Taschakor neu. Volker stieg aus, weil er seine Harp nicht richtig unterbringen konnte, und eines Abends war Erich bei mir und wir berieten über einen Ersatz für Hung. Hansi stand auf der Liste, Stefan aus dem Dorf und noch ein paar andere, und jetzt holte Erich seinen Trumpf aus dem Ärmel. Der kleine Bruder von Long, dem Gitarristen der AFO-Band und Amarillo, spielte seit einigen Jahren Schlagzeug, allerdings hatte er noch nie in einer Band gespielt und war gerade erst vierzehn. Also genau so alt wie ich damals, als ich bei AFO anfing. Ich war sofort begeistert. Der mußte einfach zu uns passen. Thomas guckte etwas skeptisch, aber wir konnten ihn überzeugen und kurze Zeit später war Hong Ky neuer Drummer bei Taschakor.

Ende August, es war der 21. fand dann unser erster Auftritt in der neuen Besetzung statt, auf einer Geburtstagsfete im Gemeindezentrum Judas Thadeus in Oberhausen.