Shadowplay Tagebuch-Auszüge 1996
Teil 1 - Coverfotos

5. Januar 1996

War gerade bei Joachim und habe ihn genervt mit der Aktion "Wir brauchen ein Coverfoto, Teil II". Beim Frühstück kam mir die Idee das schräge Fenster mal wieder auftauchen zu lassen (das war seit Amarillo-Zeiten untergetaucht), und zwar als Schatten an der Wand. Von wegen Shadowplay und so. Was ich dafür brauchte war eine rauhe Wand und ein paar nette Utensilien, einen alten Küchentisch oder so was. Was lag also näher als zu Joachim zu fahren, der hatte schließlich gerade erst seine Küche selber verputzt, und die Strukturen auf der Wand sind einfach nur göttlich. Also Kamera, Diaprojektor und den obligatorischen Hut eingepackt und los. Jo und Steffi waren gerade beim Frühstück, was mich aber nicht davon abhielt zwischen Kaffeetassen und Käse mit Hilfe eines Diaprojektors und einer Pappschablone ein Schattenspiel zu inszenieren. Ich muß einen königlich verwirrten Eindruck gemacht haben, auf jeden Fall kamen die beiden aus dem Lachen nicht mehr heraus. Nach anderthalb Filmen sowie der gleichen Anzahl an Stunden mußte ich dann einsehen, daß ich Gefahr lief anzufangen zu nerven und ich zog mich zutiefst befriedigt zurück. Da müßte eigentlich was brauchbares dabei sein.


Teil 2 - Der Mix

5. April 1996

Dienstag, Mittwoch und Donnerstag habe ich die restlichen Songs fertiggestellt und am heutigen Freitag um neun ging`s los mit dem finalen Mix. Erst mal eine Trackliste erstellen, dann den Equalizer abholen. Um elf kamen Erich, Lorle und Hong Ky. Natürlich ohne den Dat-Recorder, den sollten wir erst um eins von der Musikschule kriegen.
Wir haben dann erst mal einen Rough-Mix gemacht um zu beurteilen ob das mit der Reihenfolge der Songs so in Ordnung geht. Danach ging`s dann nach Oberhausen zur Musikschule, wo natürlich der entsprechende Mann nicht da war, also erst mal ein Döner essen gehen. Gegen halb zwei hatten wir dann endlich den Dat-Recorder und versuchten unter Umgehung aller Freitags-Nachmittags-Staus zurück zu mir zu kommen. Gegen halb vier waren wir dann an dem Punkt zu erkennen, daß die A-Seite kürzer als die B-Seite werden würde, was natürlich nicht ging. Also mußten wir die A-Seite verlängern, was aber auch nicht so ohne weiteres möglich war. Irgendwann griff Erich dann meine Idee mit den Geräuschen auf, worauf wir in den Bunker fuhren um noch ein Mikro zu holen und uns danach zwei Stunden damit vergnügten auf der Franzosenstraße auf und ab zu fahren um den Einstieg zu "In the shade" aufzunehmen. Was dann natürlich mal wieder filmreif war. Erst gab es ein paar Versuche, dann war die Abfolge klar. Erich saß hinten in meinem VW-Bus und hielt die Mikros, Thomas bediente den Recorder und Hong Ky hatte die Aufgabe mir während der ganzen Zeit die Stop-Uhr vor die Nase zu halten. Ich mußte nur die Tür aufschließen, mir in der Nähe der Mikros mit einem Streichholz eine Zigarette anzünden, den Motor anlassen, das Radio anschalten, losfahren, an der richtigen Stelle die Kassette einlegen und die ersten beiden Strophen singen. Leichter gesagt, als getan. Bei den Testläufen lief alles glatt, beim ersten richtigen Take ging es dann los. Ich schloß die Tür auf, stieg ein, griff zur Streichholzschachtel und bekam natürlich kein Streichholz heraus. Aus! Nächster Versuch. Ich stieg ein, Hong Ky hielt mir ein Streichholz entgegen, ich versuchte es anzuzünden. Erster Versuch, fehlgeschlagen. Nicht schlimm, das macht die Sache autentisch. Zweiter Versuch, auch fehlgeschlagen, dritter Versuch, das Streichholz bricht ab. Comedy, Kinoreif. Nachdem wir uns halbwegs wieder eingekriegt haben und ich mir die letzten Tränen aus dem Gesicht gewischt habe geht es zum nächsten Anlauf. Die folgenden vier Versuche scheitern daran, daß ich jedesmal wenn ich sitze in Lachkrämpfe ausbreche.
Irgendwann klappts dann doch, nur Lorle mißversteht mein Zeichen und macht den Recorder zu früh aus. Um acht Uhr haben wir die Nummer im Kasten, fahren wieder zu mir und mischen den Song ab. Perfekt, das war`s aber auch für heute, es ist halb zwölf und wir sind alle ziemlich im Teich.

6. April 1996

Lorle kommt gegen elf. Wir basteln bis drei an den Songs für die erste Seite, werden auch relativ schnell fertig. Als Lorle weg ist fahre ich ein bißchen mit dem Auto durch die Gegend und höre das Tape. Schade, alles ein bißchen baßlastig, das müssen wir noch mal machen.
Ich höre bis vier Uhr nachts das Tape und überlege wie wir am nächsten Morgen weitermachen. Roundabouts sticht total heraus, das mit dem Telefon vor New Year`s Day geht so auch nicht, wir müssen also am nächsten Morgen bis auf die ersten beiden Songs alles noch mal neu machen.

7. April 1996

Am heutigen Sonntag früh baute ich erst mal um. Die Boxenpaare übereinander, die Anlage in Reichweite, jetzt siehts hier wirklich aus wie im Studio. Um halb zwei kommen Erich und Hong Ky, um zwei dann auch Lorle. Wir entwicklen den Plan Roundabouts wegzulassen und Big city streets mit auf die erste Seite zu nehmen. Was wir dann auch machen. Nachdem wir die erste Seite fertig haben, fahren wir zum Bahnhof, nehmen ein bißchen Atmo für Outside auf und gehen erstmal was Essen.
Danach dann die zweite Seite, was relativ problemlos geht. Um elf sind wir fertig. Wir kabeln um, ziehen eine Dat-Kopie und auch schon mal die erste Cassetten Kopie. Außerdem gibt`s natürlich Sekt. Allgemein gute Stimmung. Ist ja auch ein klasse Gefühl, wenn man fast ein Jahr an einer Sache herumgebastelt hat, die dann tatsächlich zu funktionieren scheint.
Um eins sind wir dann auch mit den Kopien für Hong Ky und Erich fertig, die drei fahren nach Hause. Ich höre noch bis halb fünf das Tape ein paar mal durch, bis ich endlich ins Bett falle.

26. April 1996

Coverfaltaktion. Aus der Reihe "Wir machen alles selber". Fast wie bei den Scherben. Das war`s, das Ding ist fertig! Hat ja auch lang genug gedauert. Am Ende war`s dann noch mal chaotisch, weil ich mich Coverlayout-mäßig wieder mal nicht entscheiden konnte, und in allerletzter Sekunde alles neu machen mußte. Aber hat ja noch gereicht. Und jetzt ist fertig...